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Samstag, 10. Juli 2021

Erfahrungsbericht Selfpublishing: Wie kriege ich das verdammte Buch fertig?

Moin, meine lieben Schreiber- und Leserlinge!

Es gibt Träume, die werden einem in die Wiege gelegt. Anfangs sind sie völlig unbewusst. Später werden sie ein wenig deutlicher und sind doch noch verworren. Irgendwann stehen sie einem dann klar vor Augen: Ich will das. Ich kann nicht anders. Ich muss.

Bei mir ist das mit dem Schreiben und Geschichtenerzählen so. Schon als Kind erzählte ich meiner kleinen Schwester selbstausgedachte Geschichten. Damals war ich wohl zehn oder elf. In der Schule liebte ich das Aufsatzschreiben über alle Maßen, während ich die Mathearbeiten fürchtete. Ich wurde Sekretärin - weil meine Mutter das so wollte - und hatte viel mit Schreiben zu tun. Allerdings tippte ich, was andere mir vorgaben. Bis ich aktiv wurde und meinem damaligen Chef statt der von ihm diktierten Glückwunsch- oder Kondolenzschreiben, die ich brav abtippte, jeweils zusätzlich einen eigenen Entwurf hinzulegen. Den unterschrieb er dann und sagte: "Ab sofort machen Sie so was alleine, ich gebe Ihnen nur ein paar Stichwort. Sie können das viel besser." 

Nach der Familienphase machte ich eine neue Ausbildung. Als Ergotherapeutin in einem psychiatrischen Wohnheim hatte ich Jahre später mit schwer gestörten Klienten zu tun. Die mochten mich, aber ich litt. Eines Tages bat meine Chefin mich, ich möge mal eben so nebenher einen Flyer für das Haus überarbeiten. Wunderbar! Ins Büro zurückziehen, Tür zu, Ruhe haben. Ich formulierte eifrig um und schon blühte ich auf und merkte wieder einmal: Das will ich. Ich will schreiben. Ich muss.


 Copyright: Sigrid Ruth Stephenson

In mir lodert das Feuer der leidenschaftlichen Schreiberin - wohl immer schon ...

Der erste eigene Roman sollte schon laaange erscheinen. Mit Mitte vierzig beschloss ich: Spätestens an meinem 50. Geburtstag liegt das Ding in den Buchläden. Tat es nicht. Konnte es auch nicht, denn es war nicht geschrieben. Immer wieder begann ich neue Manuskripte, denn an Ideen fehlte es nicht. Ich schrieb eine Weile wie von Sinnen, nur um die Sache dann wieder im Sande verlaufen zu lassen. Der Grund lag auf der Hand, war mir aber nicht bewusst. Ich glaubte nicht genug an mich.

Irgendwann stand fest: Ich musste mich selbst austricksen. Dabei half mir der liebe Rupi und gab mir den entscheidenden Tipp: Richte einen Blog ein. Suche dir Leser im Vorfeld. Habe ich bei meiner Autobiografie auch gemacht. Was ich zwischen den Zeilen las, war: Das wird dich ermutigen ...! Und das tat es. Am 30. April 2021 schrieb ich den ersten Beitrag. Und der wurde tatsächlich eifrig angeklickt und gelesen. Ich leckte Blut und konnte gar nicht genug davon bekommen, Beiträge zu schreiben. Ich freute mich über teilweise schon sehr ordentliche Klickzahlen und litt, wenn sie vorübergehend in den Keller gingen. Doch es wurde deutlich spürbar: Auch wenn Kommentare hier noch selten sind, ich spürte die Verbindung zu meinen Leserinnen und den wahrscheinlich eher wenigen männlichen Lesern. Ich fühlte mich nicht mehr als die einsame Ruferin ins Nichts. Auch wenn ich weiterhin allein am Schreibtisch saß, da draußen war wer. Da draußen wart, da seid ihr. Und ihr seid verdammt wichtig für mich. Ich schreibe für mich, das stimmt. Ihr wisst ja schon: Ich kann nicht anders. Aber gleich danach schreibe ich für euch, für jeden einzelnen von euch. 

Und wie nun kriegte ich das verdammte Buch, das als E-Book endlich erschienen ist, fertig? Ganz einfach: Ich blieb dran. Ihr wisst ja: Ein Buch ist nicht mehr als die Aneinanderreihung von Worten. Man beginnt mit dem ersten und hört mit dem letzten auf. Was dazwischen steht, sollte gründlich durchdacht und liebevoll und spannend arrangiert sein. Das passiert nicht von allein. Das kostet Zeit, Blut (na ja, nicht wirklich) und Tränen (zumindest fast). Vor allem die letzten zwei Wochen waren so stressig, dass die Mundwinkel meines Lebensgefährten weit nach unten wanderten und er erklärte, er fühle sich neuerdings wieder als Single. 

Nachdem ich die gefühlte Endfassung im Copyshop ausdrucken ließ und das Opus in Händen hielt, war ein Riesenschritt getan. Es war noch kein richtiges Buch, aber es fühlte sich schon so an. Ich setzte mich damit im Sonnenschein im Zaubergarten meines Liebsten auf die Liege, Beine hoch, Stift in der Hand, und korrigierte. Natürlich fand ich immer noch Fehler, bis hin zu einem doppelt eingefügten Kapitel, das an verschiedenen Stellen zu finden war. Ich arbeitete bis in die Nacht, um meine selbst gesetzte und schon einmal um eine Woche verschobene Deadline halten zu können, und brauchte dann doch noch einen Tag. Die Deadline hat mich zwar echt in einen solchen Stress versetzt, dass ich schon um meine Gesundheit fürchtete, aber offenbar brauchte ich genau diesen Druck. Das war wohl der eigentliche Trick.

Mit einem Tag Verspätung also stellte ich das E-Book endlich, nachdem ich den Text noch ein letztes Mal auf etwa übersehene rote oder grüne Markierungen hin überflogen hatte, bei Amazon Kindle Direct Publishing ein. Ich möge mit bis zu 72 Stunden Wartezeit rechnen, las ich. Auch das noch ...! Aber dann war das Buch doch noch am selben Abend online. HURRA!!! Was für ein Gefühl ...! Ich war mit einem Mal zum Selfpublisher geworden, zu meiner eigenen Verlegerin. Genau mein Ding! Ich spürte sofort: Das Gefühl will ich noch oft haben. Das hier wird bestimmt nicht mein letztes Buch sein. Kann ja auch gar nicht: Hannah II und III sind ja schon in der Warteschleife. Freu mich ja so ...!

Bis bald sagt eure

Sigrid Ruth

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