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Mittwoch, 15. Juni 2022

Glück finden im Beruf - vom Altenheim in die Psychiatrie

Moin, meine lieben Schreiber- und Leserlinge! 

Beruf und Berufung - wenn beides nicht deckungsgleich ist, kann es schwierig werden. Wenn man einen Job macht, der einem im Grunde gar nicht entspricht, weil die seelische Grundausrüstung fehlt, um ihn durchzuhalten, kann  man nur unglücklich werden. Hannah würde erst über fünfzig werden müssen, bis sie endlich den Job finden würde, der zu ihr passt. Noch aber war sie Mitte vierzig und arbeitete seit einem Jahr als Ergotherapeutin im neu erlernten Beruf. Sie war so glücklich gewesen, als erste aus der Ergotherapeuten-Klasse einen Job in der Tasche gehabt zu haben. Dabei war sie die Zweitälteste. Doch im Altenheim fühlte sie sich unwohl. So schlug sie zu, als sie das Angebot bekam, ins Nebengebäude zu wechseln. Dort befand sich das Therapeutische Wohnheim. Dort lebten lauter psychisch schwerkranke Menschen. Was für eine Herausforderung ...!

Hannah versuchte, mitzuhalten bei dem betont fröhlich-lockeren Gehabe der Kolleginnen, doch glücklich war sie noch immer nicht.
„Arbeit ist nun mal kein Honigschlecken“, sagte Rosa. „Man kriegt sein Geld nicht für lau.“
Aber man sollte auch nicht jeden neuen Arbeitstag fürchten müssen, dachte Hannah. Bald schon fühlte sie sich mindestens so überfordert wie bei den Alten nebenan. Da waren einfach viel zu viele ganz unterschiedliche Menschen, mit denen sie umzugehen hatte. Bei jedem spürte sie Bedürfnisse, denen sie zu begegnen suchte, bei ihren Kolleginnen ebenso wie bei den Bewohnern und Bewohnerinnen. Ihr eigenes Bedürfnis nach mehr Ruhe und frischer Luft dagegen wurde nicht erfüllt. Die Luft im Wohnheim war zum Schneiden, denn fast alle im Haus rauchten. Während Conrads Rauchschwaden aus seiner Pfeife sie nur am Feierabend und an den Wochenenden erreicht hatten, war sie nun beständig von Qualm umgeben. Hannahs Seele wehrte sich mit Albträumen. Sie sah sich schwanger und den Fötus in sich wie einen Fisch auf dem Trockenen nach Luft schnappen. Privat kam sie mit Steffi gut genug klar, um ihr von ihrem Traum zu erzählen. Dienstlich war Steffi ihre Chefin, womit Hannah weniger gut klarkam. Dennoch wollte sie unbedingt durchhalten. Es ist nicht selbstverständlich, in meinem Alter einen Job zu haben, sagte sie sich immer wieder, und ich will Malte nicht mehr auf der Tasche liegen als nötig.

Inzwischen war Steffi nicht mehr zufrieden mit ihr und suchte das Gespräch. „Du lässt nach in deinen Leistungen“, sagte sie. „Außerdem bist du offen wie ein Scheunentor. Dein Traum zeigt das deutlich.“ Sie nahm einen Schluck Kaffee. „Du musst dringend an deiner Resilienz arbeiten. Lass das alles hier nicht so sehr an dich heran.“ Sie sah Hannah eindringlich an, bevor ihr Blick wieder weicher wurde. „Also, ich stelle mir immer eine Glasscheibe zwischen mir und den Klienten vor. Dadurch fühlen sie sich gehört und gesehen, aber ich schütze mich selbst davor, dass ihr Kummer und ihr ganzer Jammer auf mich übergehen und mich mit sich fortreißen. Das hilft. Versuch es mal.“

(Auszug aus Hannah Bd. 2*)


 

* Kostenlose Leseprobe gefällig? Hier geht es zu Band 1 "Hannah - Das Kind will nicht heiraten ...!" und zu Band 2 "Hannah - Ohne Mann ist auch echt blöd". Viel Spaß beim Eintauchen in die ganz persönliche Welt einer Frau, die einfach nicht sein will wie andere.

Bis bald sagt eure

 Sigrid Ruth

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